Barrierefreiheit - mehr als Technik

Dr. Michael Charlier

www.kommkonzept.de

0 Themenüberblick

Die Stichworte zum Inhalt:

  1. Vorsicht: Erosion!
  2. Von der "Homepage" zum Webfrontend
  3. Die Unterschiede im Einzelnen
  4. Zugängliche Inhalte verlangen handhabbare Prozesse
  5. Ein Blick in die Einzelheiten
  6. Die Einzelteile wieder zusammenfügen
[Alles, was nur gedruckt, aber nicht gezeigt werden soll]

0 Vorsicht: Erosion!

Auf der Website eines Steinmetzbetriebes fand ich dieses Bild. Genauer gesagt: Es ist nur ein halbes Bild.

[Alles, was nur gedruckt, aber nicht gezeigt werden soll]

0 Vorsicht: Erosion!

Komplett sieht es so aus. Es steht für ein "Vorher" und "Nachher", und der Steinmetz will damit zeigen, was er mit seiner Kunst aus verwitterten Statuen herausholen kann.

Bei unserer Arbeit läuft es meistens umgekehrt

[Alles, was nur gedruckt, aber nicht gezeigt werden soll]

0 Vorsicht: Erosion!

[Alles, was nur gedruckt, aber nicht gezeigt werden soll]

1 Die Problemlage:

  1. Im Prinzip haben wir die Technik im Griff
  2. Aber das reale Leben beginnt erst nach der Online-Stellung.
  3. Daher: Zugänglichkeit "fest verdrahten"
  4. Zugänglichkeit - unentbehrlich nicht nur für Behinderte

Die Zugänglichkeitsproblematik verlagert sich von den Einzelseiten zum Gesamtauftritt, und auf die damit verbundenen Herausforderungen sind wir vielfach noch nicht ausreichend eingerichtet.

[Alles, was nur gedruckt, aber nicht gezeigt werden soll]

2. Von der „Homepage“ zum Webfrontend

Dazu zunächst einmal zwei Schaubilder:

 

2.1 So war es in der guten alten Zeit:

Im streng hierarchisch aufgebauten Organisationsgefüge gab es neben den internen Kommunikationsstrukturen nur wenige Außenkontakte. Die Außendarstellung war einer besonderen, der Führung zugeordneten Einheit vorbehalten.

2.2 So ist es oft heute:

Die einzelnen Einheiten haben direkten Zugang zur Öffentlichkeit, den sie mehr oder weniger gut koordinieren. Es kommt zu Individual- und Konkurrenzbildungen. Vielfache Außenkontakte(e-Government) sind die Regel.

Die Durchsetzung von Standards ist hier praktisch unmöglich.

3. Die Knackpunkte - erster Überblick

Die vielfach spontan sich ereignende Ausweitung des Angebots führt zu einer schwer durchschaubaren Strukturlosigkeit

3.1 Enorm gestiegene Quantitäten

Die vielfach spontan sich ereignende Ausweitung des Angebots führt zu einer schwer durchschaubaren Strukturlosigkeit

3.2 Vielfältige Inhomogenitäten

Die Formatvielfalt ist für alle Besucher ein Problem - für Anwender assisitver Technik bietet sier oft unübersreigbare Barrieren.

Exkurs: Die (halbe) Lösung:


Die Prozesse zur Dokumentenerzeugung im Hause sind so zu modifizieren, daß am Ende mit vertretbarem Aufwand die Konversion zu strukturiertem HTML oder tagged PDF möglich ist.
Damit werden aber immer noch nicht die Dokumente erfasst, die von anderen - vielfach übergeordneten - Behörden angeliefert werden. Hier das Porträt eines der Hauptsünder:

Die andere Hälfte: z.B. das Bundesgesetzblatt

3.3 Die Qualität

Nicht als Werturteil, sondern zum Leistungsumfang, und der wird auch bei Behörden langsam aber sicher erweitert:

3.4 Der Sog der Aktualität

Aktualität ist eine großartige Sache - im Prinzip. Wie man aber auch an vielen Blogs studieren kann, ist sie geeignet, den Zugang zum Wesentlichen erschweren

3.4 In dieser Art neu: Fach-Zielgruppen

4. Auf dem Weg zu handhabbaren Prozessen

Zunächst ein kurzer Überblick:

  1. Das Web-Frontend - Schnittfläche von Prozessen und Architektur
  2. Noch einmal: Informationsarchitektur
  3. Es geht um die Informationsprozesse

4.0 Das Web-Frontend als Schnittstelle (a)

Das Bild hatten wir schon einmal. Aber erst in der Vergrößerung wird sichtbar, was damit gemeint ist:

4.0 Das Web-Frontend als Schnittstelle (b)

4.1 Neue Schwerpunkte für Accessibility:

Unsere Fähigkeit zur Strukturierung der Informationen ist weit hinter den Anforderungen von Webauftritten mit 5-stelligen Seitenzahlen oder Portalen mit über 50 Unterauftritten zurückgeblieben. In den Vordergrund rücken daher:

4.2 Drei Typen von Informationsprozessen

4.3 Analyse der Informationsprozesse

Hier geht es ans Eingemachte, hier entsteht Aufwand:

Hinter jeder Informationseinheit, die ihren Platz im Webangebot erhalten soll, steht ein Prozess - und dieser Prozess ist in all seinen Stufen daraufhin zu betrachten, was getan werden muß, damit das Endprodukt zugänglich ist und daß auch auf Dauer zugängliche Endprodukte erstellt werden.

Im folgenden ein Blick auf die wesentlichsten dieser Prozesse:

5.0 Content-Erstellung

Eine Webredaktion ist mehr als die Gesamtheit aller Mitarbeiter, die Content online stellen - und nicht jeder, der Content eingibt, ist deshalb auch schon Redakteur/in. Hier ist eine Klärung der Begriffe und eine Teilung der Aufgaben notwendig.

5.1 Aus der Tiefe der Prozesse

Was von den Mitarbeitern in den Fachbereichen zu bewerkstelligen ist:

5.2 Schwerpunkte für die Webredaktion

5.3 Entwicklung als Prozess gestalten

Webseiten, die eGovernment-Funktionen übernehmen, haben als Kernprozesse der Institution strategische Bedeutung . Ihre Planung ist dem entsprechend als Chefsache in der oberen Leitungsebene zu verankern und kompetent zu begleiten.

Daher muß auch die Entwicklung der Website selbst als Prozess gestaltet werden, der in enger Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und Dienstleistern zu gestalten ist.

6 Websiten als Basisressourcen

Moderne Webseiten sind nichts äußerliches, das man zur Dekoration auf eine Einrichtung draufsetzt, sondern die entscheidende Schnittstelle zwischen innen und außen.

Die Bildung dieser Schnittstelle kann nur gelingen, wenn alle Kompetenzen von innen und außen zusammenwirken.

Die in Anspruch genommene Kompetenz und der veranschlagte Aufwand müssen dem Charakter als Basisressource entsprechen.

6.1 Webdienstleister als Unternehmensberater

  1. Noch vor Planungsbeginn ist die Unterstützung des Projektes auf Leitungsebene zu gewährleisten. Das ist nicht nur für den Projektablauf unumgänglich, sondern auch für den anschließenden Betrieb.
  2. In diesem Zusammenhang sind die verschiedenen Anforderungen zu erkunden und miteinander zu vereinbaren. Übersehene Interessen rächen sich bitter.
  3. Erst an dritter Stelle folgt die Aufnehme bzw. Modellierung sämtlicher für den Dauerbetrieb erforderlichen Teilprozesse und danach die Erarbeitung der Architektur.

6.2 Teilprozesse - das ist der Knackpunkt

6.3 Verantwortlichkeiten eindeutig festlegen

6.4 Der Stellenwert des Grafik-Designs

6.5 Der Erosion keine Chance!

Je sorgfältiger die Entwicklung selbst als Prozess gestaltet und eingebettet ist, und je tiefer die Prozesse der Contenterstellung in einer Einrichtung verankert sind - desto geringer ist die Gefahr, daß Accessibility und Usability der Erosion zum Opfer fallen

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit